Die Ballade vom Narren

Schellen klingeln an der Kappe,
bunte Kleidung, groß die Klappe.
Von Beruf ist er ein Narr.
Ein Narr, der wie kein zweiter war.

Ob König, Kaiser, General –
Er stellt sie alle vor die Wahl:

„Wollt Ihr, dass Mensch sich vor Euch biegt
während Ihr Euch die Macht vom Himmel lügt?
Übt Ihr Euch froh im Stühle rücken,
während andere den Rücken bücken?

Oder wollt Ihr Euch zu Ehren
Besitz und Ruhm noch mehr vermehren?
Mit seid´nen Kleidern, die euch schmücken,
die Arbeit anderen auf´s Auge drücken?

Bedenkt es wohl, die Zeit ist knapp.
Die Sanduhr rinnt, Euer Leben läuft ab.
Das letzte Hemd hat keine Taschen
worin Ihr könnt stecken Champagnerflaschen.“

Der König tobt, der Kaiser brüllt.
Der General mit Alkohol sich füllt.
Der Stachel sitzt, aus der Tür der Narr flitzt.
Die Gemüter der Herren sind heftig erhitzt.

Wüstes Geschrei aus dem Thronsaale tönt,
draußen die Stundenglocke erdröhnt.
Genau zwölf Uhr hat es geschlagen.
Drin bringt man sich um Kopf und Kragen.

„Ihr seid schuld!“ -„Nein, Ihr!“ -„Nein, Er!“
Der General greift zum Gewehr,
das er sich kurz zuvor geborgt.
Ein Schuss in die Luft für Ruhe sorgt.

Der König schmollt, der Kaiser streikt.
Der Narr ist´s, der zur Decke zeigt.
Der Kronenleuchter, gefährlich am schwanken,
durchbricht sogleich der Schwerkraft Schranken.

Er rumpelt hernieder mit lautem Geklirr,
begräbt General und König in einem Gewirr
aus Kristallen und Kerzen und Kostbarkeit.
Ruiniert ist auch des Kaisers Kleid.

Die Hoheiten des Narren Hilfe brauchen,
um unter dem Leuchter hervor zu krauchen.
Sie alle kamen mit dem Schrecken davon -
Kein Wort mehr darüber, wer wohl hat gewonn`.

Sie sitzen beisammen nun ungewohnt leise,
der Narr ist der Vierte jetzt in ihrem Kreise.
Nun kann er berichten, worum es ihm geht.
Die Herren, sie hören ihn – und jeder versteht.

Antje König