Ritter im Glück

Es hatte einst ein Rittersmann
gar viel zu viel an Eisen an.
So konnte kaum noch er sich regen,
geschweige denn sich fortbewegen.


Sein Pferd den Dienst längst hat quittiert,
steht neben ihm und lacht und wiehert,
springt fröhlich im Kreis um ihn herum -
der Rittersmann nimmt ihm das krumm.

Ein Regenguss geht nun hernieder,
dem Ritter rosten seine Glieder.
Die Zeit vergeht, der Ritter steht,
der Wind, er weht, das Pferd, das geht.


Ein Lufthauch kommt und mit krawumm
fällt unser rost´ger Ritter um.
Verloren ist das Gleichgewicht,
ein Knacks, ein Riss, die Rüstung bricht.

Mit letzter Kraft er sich befreit,
er lebt, er atmet und er schreit.
Das Pferd gibt Antwort, kommt zurück,
der Mann kann fassen kaum sein Glück.

Schwingt in den Sattel sich geschwind,
er reitet, ausgelassen wie ein Kind.
Sieht Blumen, die Sonne, die Wolken, das Licht,
der Wind streicht sanft über sein Gesicht.

Niemals im Leben legte dieser Mann
sich wieder ´nen eisernen Panzer an.

Antje König