Schiffbruch

Falscher Name, falscher Bart.
Er trägt eine Maske vor seinem Gesicht.
Er tut alles, damit die Fassade er wahrt.
Doch kennt er sich selbst im Innersten nicht.

Er hat Angst vor der Tiefe des Ozeans Grund.
Führerlos treibt sein Schiff durch die Nebel.
Es öffnet sich vor ihm ein Höllenschlund.
Um ihm zu entgehen, bewegt er alle Hebel.

In Panik versucht er, sich noch zu retten.
Zu spät, an den Klippen zerschellt nun sein Schiff.
Er kann nicht mehr weg, hängt zu fest in den Ketten.
Ihm bleibt mitten im Ozean nur ein kleines Riff.

Die Maske ist fort, die Fassade dahin.
Sein geschundener Körper schreit voller Schmerz.
Das Dunkel verschluckt ihn und nichts hat mehr Sinn.
Erst jetzt bemerkt er sein zerbrochenes Herz.

Er hat alles verloren, was wichtig ihm war
auf der Flucht vor dem Sinn seines Lebens.
Und mit einem Schlage wird grausam ihm klar:
sich dem zu entziehen, darauf hofft er vergebens.

Antje König